Archiv für September 2013

Einer von der „Belorusian 5″ aus dem Gefängnis entlassen

franzkewitsch

Alexandr, wir gratulieren zu deiner Freilassung. Die Obrigkeit versuchte mit allen Kräften den Prozess, in dem du, Nikolaj Dedok und Igor Olinewitsch verurteilt wurden, als einen gewöhnlichen Strafprozess darzustellen. Als Folge wagten es viele Bürgerrechtsorganisationen lange nicht, dich als einen politischen Gefangenen zu bezeichnen. Wie schätzt du deine Verhaftung und die, deiner Genossen ein?
Das Ziel der Obrigkeit war nicht, die Schuldigen zu finden, sondern die anarchistische Bewegung zu neutralisieren, egal, welchen Kampfmethoden wir anhängen würden. Beispielsweise bedeutet die Tatsache, dass im Laufe des Prozesses noch ein Angeklagter, Maxim Wetkin, freigelassen, und ich, Dedok und Olinewitsch verurteilt wurden, dass für sie die Überzeugung wichtiger war, an der wir während des Prozesses festhielten, als der Straftatbestand, den sie uns anzuhängen versuchten. Der Prozess war absolut politisch, er hatte nur mit unseren politischen Überzeugungen zu tun. Und wir sind davon Überzeugt, dass in diesem Land eine Diktatur herrscht und wir gegen sie kämpfen müssen. Je länger ich einsaß, desto mehr war ich davon überzeugt.

Was denkst du, hat man dich zufällig drei Monate vor den Präsidentschaftswahlen verhaftet?
Als Katalysator diente der Angriff auf die russische Botschaft. Das hat internationale Resonanz ausgelöst. Lukaschenko sagte, dass dahinter russische Geheimdienste stecken. Natürlich spielten auch die näher rückenden Wahlen eine Rolle. Wären wir aber nicht im September verhaftet worden wären wir sowieso im Dezember im Knast gelandet, zusammen mit allen anderen Oppositionellen, die nach den Wahlen verhaftet wurden. Früher oder später wäre das passiert – mit oder ohne Straftatbestand – wir wären auf jeden Fall unter die Räder geraten.

Es gibt Mutmaßungen, dass deine Verhaftung und der Charakter der Anklage eine geheimdienstliche Operation war, dafür geplant, um die Opposition am Vorabend der Provokation am 19. Oktober 2010 als militant darzustellen.
Gewissermaßen war das die Vorbereitung zu den Wahlen. Obwohl in unserem Fall zum Teil auch andere Strukturen beteiligt waren. Der größte Teil gehörte zur GUBOP (die Hauptabteilung der Polizei zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität), die an den Geschehnissen am 19. Oktober am wenigsten beteiligt war. Im Grunde genommen war es ihr Ziel unsere symbolischen Aktionen, die die Obrigkeit störten, zu stoppen und die gesamte zivilgesellschaftliche Aktivität im Land lahmzulegen. Ich persönlich bin der Meinung, dass am 19. Oktober 2010 die Obrigkeit nicht nur die gesamte Zivilgesellschaft einschüchtern wollte. Lukaschenko wollte die weitere Loyalität, seines Verwaltungsapparats, seiner eigenen Bürokratie sicherstellen, die in dieser Zeit immer mehr anfingen seine Autorität zu hinterfragen.

Den Rest liest man/frau hier: „Ich habe meine Prinzipien beibehalten und habe nicht vor, ihnen abzuschwören“.
Demnäxt gibt es mehr zum Thema, aber wohl nicht mehr hier. Miow!