Archiv für März 2012

Grüße von Unkle Sam, ihr Nasen!

[Nur so, aus Liebe zur Literatur und aus dem innigsten Wunsch, teure „anarchistische“ GenossInnen zu dissen, die sich in ihrem dogmatischen anti-imperialistischen Antizionismus kaum von ihren trotzkistischen und stalinistischen Lieblingsfeinden unterscheiden. Und zum Glück, sind die rätekommunistischen Bordiga-Fans in Doitschland noch seltener und noch marginaler als die oben genannten Gestalten (if you know what we mean).]

Rocker kritisierte erbittert jene Genossen, die, während die spanischen Genossen mit dem Rücken zur Wand kämpften, die CNT-FAI-“Führer“ als Bürokraten verleumdeten, sie der Machtgier bezichtigten und ihnen vorwarfen, den Mitgliedern ihren Willen aufzuzwingen. Er lobte Emma Goldman dafür, dass sie in der Stunde der Not zu unseren kämpfenden Genossen stand und böswillige Kritiker verurteilte, die ihnen, anstatt zu helfen, in den Rücken fielen und Salz in die Wunden streuten. Was in diesem kritischen Moment gebraucht werde, sei Verständnis und Solidarität – kein kleinliches Herumgemäckel.

Wie Rocker und der bei Weitem größte Teil der anarchistischen Bewegung, der gegen den Ersten Weltkrieg gewesen war, waren wir uns nun einig, dass wir den Krieg gegen die Nazifaschisten und ihre Verbündeten unterstützen mussten, und dies schloss die spanischen Flüchtlinge in Frankreich mit ein. Der Grund dafür war nicht, dass wir plötzlich zu prokapitalistischen Patrioten geworden wären; wir waren der Meinung, dass die Bürgerrechte ein kostbares Gut darstellen, das den „demokratischen“ Staaten nach harten Kämpfen von den unterdrückten Massen abgerungen worden war, und gegen jeden Versuch, es einzuschränken, verteidigt werden musste. Nur die Demokratien verfügten über die nötigen Ressourcen, um die faschistischen Horden zu besiegen. Unser Leben und die Existenz der Zivilisation hingen davon ab, dass sie faschistischen Armeen vernichtet würden.

Ich verstehe nicht, wie Intellektuelle wie John Hewetson, der liberale Akademiker George Woodcock und die Londoner Gruppe Freedom, ganz zu schweigen von den „reinen“ Anarchisten (zu denen auch Marcus Grahem, Herausgeber der eingenangenen Zeitschrift MAN!, gehörte) gegen den Krieg sein konnten. War es ihnen egal, ob die Faschisten oder die Demokraten (so unzulänglich und niederträchtig sie auch sein mochten) den Krieg gewannen? War das Abschlachten von sechs Millionen Juden und Millionen von Antifaschisten, die faktische Versklavung besiegter Völker, die Beherrschung der Welt durch die „arische Herrenrasse“ für sie kaum oder nicht von Bedeutung? Noch verwerflicher waren versteckte Andeutungen, dass Rocker und Andere, die den Krieg befürworteten, „Kriegstreiber“ seinen. (…)

Die Notwendigkeit der Verteidigung Israels ist – wie unsere Genossen freimütig bestätigten – keineswegs dazu angetan, die konzentrierte Macht des Staates zu beschneiden. Vielmehr bedingt sie die Umsetzung der militärischen, wirtschaftlichen, rechtlichen und sozialen Maßnahmen, die unverzichtbar sind, um Israel in ständiger Verteidigungsbereitschaft zu halten. Solche Kriegsvorbereitungen verstärken den Hang zum Despotismus, ein Kennzeichen jedes Staates, anstatt ihn abzuschwächen. Die israelischen Anarchisten (und Nichtanarchisten ebenso) wissen nur zu gut, dass die Beschneidung der Staatsmacht unter solchen Umständen keine echte Alternative ist. Aber sie fühlen sich als Anarchisten moralisch verpflichtet, sich so gut es geht gegen den zunehmenden Despotismus des israelischen Staates zu wehren.

Da „Politiker und Diktatoren“ nicht mit Israel Frieden schließen werden oder dies guten Gewissen tun könnten, wäre es keineswegs wie in „Problemen“ behauptet einfach, sondern sogar unmöglich, mit dem arabischen Volk Frieden zu schließen. Um eine echte Übereinkunft und ein Bündnis mit dem arabischen Volk zu erzielen, müssen sich die arabischen Massen ihren Herrschern widersetzen und sich weigern, ihren Befehlen zu gehorchen. Doch dazu sind die rückständigen, fanatisch religiösen arabischen Massen, die kein bisschen fortschrittlicher, sondern eher noch reaktionärer sind als ihre Führer, nicht gewillt. Mit wenigen ehrenvollen Ausnahmen hasst die Mehrheit der Araber die „israelischen Invasoren“. Unter solch bedauernswerten Umständen ist „Frieden und Brüderlichkeit“ zwischen Arabern und Israeli zweifellos ein lobenswertes, jedoch nicht praktikables Unterfangen. Gleichwohl ist es nach wie vor die moralische Pflicht der Anarchisten, in Wort und Tat zu verkünden, dass freiwillige Zusammenarbeit, gegenseitige Hilfe und ein solidarisches und brüderliches Miteinander aller Völker in Brüderlichkeit erreicht werden muss und letztendlich auch erreicht werden kann.

Sam Dolgoff, „Anarchistische Fragmente. Memoiren eines amerikanischen Anarchosyndikalisten“, Edition AV, 2011

Ansonsten, nachdem wir unsere Diss-Pflicht für hoite erfüllt haben, verweisen wir oich gerne auf folgende Veranstaltungen im März in Würg:

09.03.: Vortrag von Frank Apunkt Schneider „Deutschpop, halts Maul!“, 19.30 Uhr, Cairo

24.03.: Alice Halmi spricht über die Patientenverfügung und Menschenrechtsverletzungen durch die Psychiatrie, 18 Uhr, Kellerperle

30.03.: Film „No Fun City“, 20.00 Uhr, Cairo

Liebesstrahlen an alle vom ZK! Nicht.