Archiv für Oktober 2011

Veranstaltungshinweis: 05.11., Kapitalismus und Wohnen

Findet nicht statt!

Eine Auseinandersetzung mit der Wohnungspolitik hat in der Linken in den letzten Jahren keinen großen Raum eingenommen. Es sei denn, es ging um die Verteidigung eigener Freiräume, eigner alternativen oder subkulturellen Lebens- und Wohnformen. Die neoliberale Wohnungspolitik macht aber eine Auseinandersetzung notwendig. Die Wohnungsfrage bleibt unsichtbar (bzw. unbeachtet) und es mag der Eindruck entstehen, dass es sich beim Wohnen um eine rein private Angelegenheit handelt bei der es höchstens noch um die individuelle Ausgestaltung des eigenen Lebenszusammenhanges geht.
Doch die Geschichte des Wohnens ist untrennbar verknüpft mit der Geschichte der kapitalistischen Entwicklung und von sozialen Kämpfen sowie den herrschaftlichen Gegenstrategien zu ihrer Unterwerfung und Disziplinierung. Diese Auseinandersetzung ist auch heute noch nicht „Geschichte“. Eher im Gegenteil: Aktuelle Entwicklungen der Deregulierung des Wohnungsmarktes und die Hartz IV-Gesetze haben einen bestehenden Trend verschärft: Für immer mehr Menschen wird die Suche nach bezahlbarem Wohnraum zum Problem. „Ein wichtiger Schritt wäre, wenn die Wohnungspolitik wieder eine größere Rolle in der linksradikalen Bewegung spielen würde, jenseits von subkulturellen Wohn- und Lebensformen. Die Wohnungsfrage ist Teil der sozialen Fragen. Häuserkampf ist Klassenkampf!“ (J.M.)
Die Veranstaltung soll einen Bogen durch 150 Jahre Wohnungspolitik spannen, von der Institutionalisierung der Wohnungsnot im 19. Jahrhundert, über die antijüdische Wohnungspolitik während des Nationalsozialismus bis zur Privatisierung des Sozialen Mietwohnungsbau, von der Altstadtsanierung im Nationalsozialismus zur Behutsamen Stadterneuerung der 1980er Jahre.

Vortrag und Diskussion von und mit Jürgen Mümken zum Thema „Kapitalismus und Wohnen“ findet am 5.11., um 19 Uhr, in der Kellerperle statt.
C ya & stay tuned! Denn BiKri rafft sich anscheinend auch damn!äxt zusammen. ;)

Es gibt Spiele, die wollen gespielt werden…

…obwohl sie niemand spielen will. Shit happens, aber trotz alledem:

game

Und nach wie vor gilt: Feel free to use it, but not for good deeds.

Anleitung zum Spielen A3
Anleitung zur permanenten Chillout-Party A3

(Gefunden irgendwo im weiten Netz).

Endless human strike!

Occupy Doitschland: Talkin‘ ’bout the revolution

Es will irgendwie nicht so richtig klappen, aber der Unterfränkische Bund der Satano-KommunistInnen hat was daraus gelernt: Beim ersten intimen Abendessen mit dem Menschen eures Herzens packt lieber die berühmten schwarz-roten Kerzen, Tischedecke mit Pentagrammen und den Ziegenschädel weg. Und bei der Musikauswahl für den Abend sollte mensch auch etwas vorsichtiger sein. Sonst wird das nichts…
Neulich trieben uns die Stimmen im Kopf erneut auf die Straße und da mussten wir staunen: die Revolution war da! Oder – viel mehr – „die Revolution“.

Dieselben Leute, die noch vor Kurzem Thilo Sarrazin applaudiert haben, die keinen Aufstand machten, als die Bundesregierung das Hartz IV-Gesetzespaket verabschiedet hatte, die aber immer gerne für „ein bisschen deutsche Natur“ und gegen den dämlichen Bahnhof in Stuttgart demonstrieren, haben erneut ihre Rückgewandtheit und Reaktion (verzeiht uns dieses pathetisches altertümliches Wort) zur Schau gestellt. Diese „99%“ deutscher Art haben keine vergleichbare Solidaritätsaktion mit dem rebellierenden Griechenland zustande gebracht, dafür unterstützen sie diffuse spanische Proteste, die auf dem besten Wege sind, die gemäßigte parlamentarische Linke zu erneuern und zu verjüngen. „Der faule Grieche“ ist ja bekanntlich das Gegenteil vom „fleißigen Doitschen“, der komischerweise im Durchschnitt sogar weniger Stunden pro Woche arbeitet als der Erstere. Das eigentliche Problem liegt aber nicht darin. Die „Revolution“, über die wir aus Frankfurt am Main und, vor allem, aus Berlin zu hören bekommen, wurde von heimlichen FreundInnen der jetzigen Gesellschaftsordnung organisiert: von den Grünen, von „ Piraten“, Attac und dergleichen. Und der 20-jährige Anführer von Occupy Frankfurt, Siener, ist ein inbrünstig an Demokratie und Marktwirtschaft glaubender und von den „Zetgeist“-Filmen begeisterter Nerd. Worüber wir, als glühende AnhängerInnen der Vulgärsoziologie, uns sehr freuen, werden wir doch stark an so manche Visagen aus den Bildungsprotesten in Würgtown erinnert. (Und oh my gosh, wird er Hanna Poddig als Gesicht der Protestbewegungen demnäxt verdrängen?!) Obwohl, es ist wiederum schnurz, das eigentliche Problem ist es auch nicht.

Wir sehen zwar ein, dass unter den Protestierenden viele Menschen waren, für die diese armseligen Forderungen von harten Strafen für jegliche „gierigen Manager“ und „verantwortungslosen PolitikerInnen“ und das Gerede von der „Bändigung des Finanzkapitals“ einfach den Horizont aller Kritik bildeten, weil sie von anderen Horizonten nie was gehört haben; für die diese Proteste die einzigartige Erfahrung eines mehr oder weniger unvermittelten politischen Protests schlechthin waren, denn die außerparlamentarische (oder Betriebs-)politische Landschaft ist in der BRD bis zum Anschlag befriedet. Im Allgemeinen aber sind wir ratlos, was die Protestmärsche dieser „aufrichtiger Demokraten“ angeht. Soll mensch darüber lachen, soll mensch sich in Angst und Panik verstecken? All diese Wünsche der schnellen und direkten Vergeltung – wenn nicht durch den Knast, dann durch das Lynchen an der näxten Straßenlaterne – können die letzten Vernunftbegabten zumindest in den leichten Schock versetzen. Das ist wahrscheinlich die „direkte Demokratie“, von der sie reden. Aha.

Also gut, eine tiefe Empörung über das Finanzkapital und zärtliche Gefühle zur „ehrlichen Arbeit“ und dem „schaffenden Kapital“ haben in diesem Land eine wahrlich ereignisreiche Geschichte, die auch nach dem National-Sozialismus nicht aufgehört hat, da sie unvermeidlich, ja fast schon notwendig zum trüben bürgerlichen Bewusstsein gehört. Und all diese „99%“ deutscher Art sind ja durchaus anständige (Wut-)BürgerInnen, die es gar nicht vorhaben, die grundlegenden Kategorien von Arbeit, Ware, Tausch, Recht und Staat in Frage zu stellen, das käme ja einem tiefen existenziellen Zweifeln an sich selbst gleich. Nur – wie es manchmal in kapitalistischen Gesellschaften so passiert – werden sie ein wenig durch das Geld und Finanzinstitute verunsichert. Diese wiederum werden direkt mit ganz konkreten Menschen assoziiert: mit böswilligen Top-Managern, durchgeknallten Börsianern und käuflichen PolitikerInnen. Denn das Geld an sich wäre ja auch OK, ohne könnte mensch ja gar nicht leben. Es wird leider für undurchschaubare Zwecke von irgendwelchen dunklen Gestalten benutzt: vielleicht von den Amis von der Wall Street, von der weltweiten Finanzelite, vielleicht von den Bilderbergern, von irgendwelchen „entwurzelten“ Völkern womöglich. Die Fans der „ehrlichen deutschen Wertarbeit“ träumen schon längst davon, auch gegen andere „Schmarotzer und Parasiten“ (nämlich Arbeitslosen und EmpfängerInnen von Sozialleistungen) Gewaltmaßnahmen anzuwenden. Diese feuchten Träume durchzogen den politischen Diskurs der Republik in den letzten zehn Jahren. Na gut, AnhängerInnen der These vom „strukturellen Antisemitismus“ sind wir nicht, lasst uns also das Thema für später aufheben.

[siehe lustige Bilder z.B. hier und hier]

Die Blutrünstigkeit der „aufrechten Demokraten“ macht uns Sorgen. Lassen wir den alten kannibalisch-proletarischen Witz von „Eat the rich!“ beiseite, es gab Zeiten, in denen er noch gerechtfertigt war, und die sind zumindest in Westeuropa vorbei. (Über den sozialen Kontext von Zombi-Filmen könnten wir uns mal auch unterhalten, aber auch an anderer Stelle). All diese Stricke, all diese Forderungen der Gefängnis-Strafen, was soll das? Eine elegante Anspielung auf etwas, was noch kommen mag? Nur – wie schon so oft geschehen – nicht für PolitikerInnen und BürokratInnen (zu hoch sitzen sie), sondern für diejenigen „Schmarotzer und Parasiten“, die sich schnell in der Nähe finden lassen?

Gut, wir werden eingestehen müssen: die Kritik von Links erreicht die so genannten „Massen der Werktätigen“ nicht, um von den Mittelschichten ganz zu schweigen. Sie zu mobilisieren gelang nur ihren eigenen ideologischen Abbildungen: Attac, den Grünen, den „Piraten“, den sozial-demokratischen Gewerkschaften mit ihrer sozial-chauvinistisch Rhetorik. Die Frage ist aber: nun sind die „Massen“ da, was tun mit ihnen? Kann mensch auf eine Änderung des Bewusstseins hoffen, darauf hinarbeiten? Wie weiter also?

Aber andererseits, was ist schon realistisch: „Dieser Kampf hat keine „realistische Perspektive“, er bietet keine Reformen an. Doch Veränderungen entstehen immer aus Handlungen Einzelner, die zur Bewegung werden. Dafür braucht es weder eine populistische Anbiederung an den Zwangszusammenhang aus Staat und Nation, Kapital und Lohnarbeit; noch den selbstzufriedenen Rückzug auf die Position der kritischen KritikerInnen. […] Wenn nicht hier, wo sonst soll sich eine Möglichkeit für die so offensichtlich notwendige, grundlegende Veränderung der Gesellschaft ergeben? […] Denn die kapitalistische Gesellschaft ist von Menschen gemacht, also kann sie auch von Menschen abgeschafft werden – soziale Revolution ist möglich.“
Aufruf zur Demo gegen den Unternehmertag vom 26.10.10 In Frankfurt am Main: Gegen Lohnarbeit, Leistungsterror und Standortkonkurrenz – Die Krise heißt Kapitalismus!

In diesem Sinne,
Gruß und Kuss vom UBdSK. Nicht.