Archiv für April 2011

Von Tauben und Idioten

Weil der BiKri-Schulzeitungsjournalismus im Unterschied zu allem anderen Journalismus in Würgtown eine recht erhaltenswerte Tradition ist, verließ unser Spezialkorrespondent in der unterfränkischen Wüste seine Wohnung, um etwas zu schreiben, was weniger sinnentleert wäre, als Bayern 2 an Ostern. Es gibt freilich Vieles auf der Welt und in Würgtown, was wichtiger ist als das, was die „Main Pest“ mal als „Taubenpolitik des Rathauses“ bezeichnet hat. Tja, dafür ist es ja auch der Schulzeitungsjournalismus, ne?
Die Stadt kümmert sich zwar um diese erbärmlichen verwilderten Haustiere, indem sie ab und zu Taubenschläge baut und an allen aus Taubensicht gemütlichen Flächen Stachelmanchetten anbringen lässt, die manchmal zu schweren Verstümmelungen führen. Oder es werden laut §13.3 der „Verordnung der Stadt Würzburg über die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ (vom 13.4.2006) Menschen, die den Stadttauben ihr armseliges Leben ein wenig erträglicher machen wollen, Geldstrafen von 15 bis 1000 Euro angedroht. Mal von dummen Anmachen und Pöbeleien abgesehen.
Dass die Staatsgewalt ein Problem mit den harmlosen Tierchen hat, kommt nicht von ungefähr. Es geht nämlich nicht um die Tauben, sondern um psychische Dynamiken in den tierfreundlichen Menschen selber, die unter Umständen weitreichende Auswirkungen auf gesellschaftliche Strukturen haben können. Dass auf den Plakaten nur in der doitschen Aufschrift die höfliche Floskel fehlt, mag zwar nebensächlich sein, ist aber sehr symptomatisch.

ideioten

Es gibt freilich gute sachliche Argumente, die FÜR die Fütterung von Stadttauben sprechen. Die reformistische Schiene der kontrollierten Fütterung ersparen wir uns jetzt aber, denn es gibt auch nicht minder gute Argumente für unmittelbares und persönliches Handeln.
Ein Menschen- und Tierfreund namens Magnus Schwantje schrieb vor fast 100 Jahren in seinem Aufsatz „Tiermord und Menschenmord. Vegetarismus und Pazifismus“:

„Den wirksamsten Schutz gegen den Ausbruch des Krieges bildet unstrittig die Abneigung gegen das Blutvergießen, wie gegen alle Grausamkeit. Die Friedensfreunde müssen daher danach trachten, in den Menschen die der Mordlust entgegenwirkenden Gefühle zu wecken. Das geschieht am wirksamsten dadurch, dass wir alle Menschen von Jugend an zu Handlungen anregen, durch welche Grausamkeit verhüttet und bedrohtes Leben gerettet wird. Die Menschen erhalten aber in Friedenszeiten selten Gelegenheit, andere Menschen vor Grausamkeit zu schützen. Wohl aber können sie täglich solche Handlungen gegen Tiere vollbringen“.

(Der Aufsatz ist im empfehlenswerten Magnus-Schwantje-Archiv und im Buch „Das Schlachten beenden!“, das wir allerdings nicht empfehlen, zu finden).

Mensch muss diesem Gedanken nicht vollkommen zustimmen, aber Mitleid und Barmherzigkeit sind in der Tat der Herrschaft nicht förderlich.
Ein weiterer Grund ist nämlich, dass eine Überflussgesellschaft nicht nur „unnütze“ Menschen, sondern auch solch „unnütze“ Tiere wie Tauben durchfüttern könnte. Es steckt darin etwas Erhabenes und wahrhaft Menschliches – eine Sozialutopie, neben deren Symbolik die faszinierenden Entwürfe eines Charles Fouriers oder Henri de Saint-Simons verblassen. Das ist die Großzügigkeit, in der die wahre Emanzipation und die wahre Versöhnung von Mensch und Natur antizipiert wird – wir füttern sie, damit sie auf Doitschland scheißen. Und das ist der Grund, warum wir lieber in bester Direkte-Aktion-Manier (was wohl noch ein Grund für sich wäre) sofortige Abhilfe für Tiere in Not schaffen, bevor sie sich aus dem ausgekotzten Bier und Dönner-Brei vor dem Odeon noch essbare Bröckchen raussuchen.

Die Städtische Sicherheitsverordnung? Scheiß doch drauf!

Kommen wir nun zu den Idioten. Wir fassen uns kurz, weil von unseren kleinen PolitikantInnen nicht mehr viel zu berichten ist –

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Recht faszinierend, dass jemand mit einem Kuli auf dem Aufkleber schreibt, nicht wahr? Zudem noch in so einer schönen Schrift.

C ya in der Wüste. Nu.