Archiv für April 2010

Jetzt reicht´s aber!

Genug der Heimlichtuerei! Die nächste antimissionistische Eigentherapie- sitzung in Gesellschaft völlig Unbekannter (ja!) findet am 29. April statt. Wir probieren diesmal etwas totaaal Neues aus und treffen uns deshalb an der wunderbaren Haltestelle Juliuspromenade um 17 Uhr. Als Erkennungszeichen ist ein Blatt Papier mitzubringen. Weiß, unliniert, A4. Alternativ hälst du Ausschau nach einem Menschen mit einem Buch in der Hand. Wenn auf dem Buch „Kropotkin“ oder „Die Eroberung des Brotes“ oder beides steht, dann bist du richtig! Denn genau das werden wir dann gemeinsam lesen.

Ach ja, Speisen und Getränke für den Eigenverzehr mitzunehmen, ist erlaubt (..hat jemand gesagt). Nun, dann sei es so.

Wie das geht

Lange hat’s gegärt, und nachdem wir uns „the Coming Insurrection“ gegeben haben, ist es an der Zeit zu sehen, ob Post-Post-Prä-Post-BiKri auch so weiter funktioniert. Unter den „neuen Texten“ sind alle Vorschläge versammelt, die für interessant befunden wurden. Es werden wahrscheinlich nicht alle gelesen und ausdiskutiert und mit Sicherheit kommen noch einige hinzu. Haltet also die Augen offen und seht zu, dass ihr an die Texte kommt (auf die Weise, die euch lieb ist). Es gibt also kein festes Programm. Dementsprechend gibt es auch keine festen Zeiten und keinen festen Raum: sie werden jedes mal neu vereinbart und per email / auf dem megacoolen, modischen, jung-dynamischen Blog aus der pulsierenden Metropole Unterfrankens (gääääähn!), nämlich diesem hier, mitgeteilt. Raumtechnisch darf mensch an private Räumlichkeiten, Parks, Straßen, Zweckentfremdung der Straßenbahnen denken oder daran, dass wir für das ein oder andere Mal in den gemütlichen Fachschaftskeller am Joseph-St(r)angl-Platz zurückkehren. Und noch was: wir treffen uns, um die Texte gemeinsam zu lesen. Es wird also nichts „vorbereitet“ und dann „vorgetragen“. Mensch mag das für eine krasse Zeitverschwendung halten, und ja, das stimmt. Wir wollen unsere Zeit miteinander verschwenden, darum geht es. Gründe für all diese kreativen Innovationen gab es viele, das unendlich weise und allwissende Zentralkomitee hält es aber nicht für nötig, das gemeine Fußvolk darüber zu informieren.

Das war’s im Großen und Ganzen zu den Spielregeln. Wer sich noch nach Handlungsanweisungen für den Alltag sehnt, dem / der kommt das ZK gerne entgegen.
Am Sonntag, den 25.04. ein Vortrag über Gentechnikseilschaften in Doofland, 18 Uhr im Festsaal über der Burse. Am Montag, den 26.04. treffen sich Menschen, die die Umweltaktivistin Cécile Lecomte aka Eichhörnchen vorm Gericht unterstützen wollen, um halb 9 Uhr vor dem Landgericht. Vom 30.04. bis zum 02.05. ist das erste Wagenplatzfestival in Gadheim.

Außerdem fanden wir neulich folgende schöne Plakate, die bei weiß der Teufel welchen Gelegenheiten genutzt werden können: das Spiel als jpg, das Spiel als pdf, Format A3, Live Communism als pdf, Format A3. Feel free, to use it.

Flaschenpost aus fernen Ländern

Solange Post-BiKri sich mit äußerst wichtigen Sachen wie Denken, Saufen, Anfroderungen des Alltags nachgehen, Feiern, Texte auswählen, Streiten, Rumhängen und in die Wolken starren beschäftigt, schien es uns jedoch wichtig zu unserer eigenen Belustigung ein paar Grüße zu veröffentlichen, die wir von einem Monstrum bekommen haben. Wer schließlich so was Undenkbares, Unpraktisches, Irreales an der Hochschule (in diesem Falle die besetzten Santa Cruz und Berkeley) fordert, – siehe Foto – muss ein Monstrum sein: Etwas, was aus dem Rahmen fällt und aus der Reihe tanzt. Und wir haben ein Herz für Monster. Mehrere sogar.

occupy_santa_cruz_04.03.

Aus dem Brief –

„The movement has already become acquainted with its enemies: the unionist, student politician type being only the most insidious and veiled. In this we have had to re-learn one of the primary lessons of the Movement of 77: the actual complicity of all unions and parties, however radical sounding, with the cops. […]
Meantime, a list of responsible, and because of that, totally boring and irrelevent demands were made. It must be said that these demands were far less reasonable than others that might be made, or even better, as happened previously, there could be a breaking with the logic of demands itself. […]
It is time we leave the beautiful soul of the post-1972 Situationism that does nothing but criticize behind, in order to direct and succour the unthinking consciousness that tries to act. Communism can not be talked about, it must be really lived. This is the historic task, at once simple and complicated, of this, the final moment of world-spirit. The prisoners of Plato’s cave must be led into the sunshine of the revolution, not bantered with in the darkness of capitalism.[…]
Concordantly, writing petty trash about saving and defending the university, or any other number of things, must be forgotten. […] And just as in the prior form of spirit, factory strikes became qualitatively more revolutionary when they posed political, international goals, so must we leave behind the sad demands of students pleading and whining for integration into a failed social system: we should rather aim to punish the wicked, to deliver a crushing riposte to the infamous scoundrels and their arrogant pretensions of this depraved time. […]
Why are not the clocks spirited away, masks given to all, monogamy annulled, electronics banned, counter-intelligence set up to ferret out spies, look outs placed around the building, sorties mounted to harass the enemy, food expropriated, and surreptitious withdrawals enacted to commence the party somewhere else? We know the Commune is not dead, it is wherever we are […] This, one suspects, is precisely what exists in Tarnac, in Exarcheia, in millions of hearts the world over, and it is this that the dying old world hates so much. As for us, it is time to start really living what we believe

A Letter From An Anonymous Friend

In der Flasche fanden wir auch einige hübsche Dokumente, die sich sehr schön als belastende Beweisstücke machen würden. Hier was zum Schmunzeln, hier was zum Schmunzeln und Nachdenken, hier was zum Schmunzeln und praktischen Handeln.

Diese verzweifelte und hoffnungsvolle Flaschenpost wird der Grund dafür sein, dass wir unsere Herzen ausschneiden und auf dem Postwege nach Kalifornien schicken würden, wenn sie schon in Würgtown nicht gebraucht werden. Oder: wir gebrauchen sie doch hier, trotz alledem.

Stay tuned, die neuen BiKri-Spielregeln kommen bald und es geht los.