Sind wir denn noch aufzuhalten?

Während in der ganzen Welt (und im Weltall sowieso) ein katastrophisches Ereignis das nächste jagt, bleibt das kleine Würgtown davon leider verschont, erinnert doch Phase 2.0 der Bildungsproteste in ihren Aktionen und ihrer ganzen Rhetorik verdächtig an die Phase 1. Der Schmusekurs, schmierige „offene Briefe“, Pressekonferenz-Androhungen und (ja, das haben sie auch drauf, diese Linksextremisten!) Kinder-Faschingsumzug durch die Universitätsräume. Wer die Phase 1 verfolgt oder die „offenen Briefe“ gelesen hat, wird merken, dass es nicht von Ungefähr kommt, wenn die liebe Obrigkeit die ProtestlerInnen nicht ernst nimmt. Ob mensch nun die eigene infantile Bindung an die Vater-Figur durch einen Faschingsumzug offen bestätigt oder nicht, ist nicht mehr wichtig. Da wir aber guten (Standpunktssache, natürlich) Willens sind, haben wir in alten, magischen Büchern gewühlt und eine schöne Aktionsidee für Studis ausgesucht:

Wenn jedoch der Fluch einer Institution oder einem Unternehmen gilt, brauchst du folgendes: ein hartgekochtes Ei, einen Eisennagel & drei Eisennadeln (Nagel & Nadeln in das Ei stecken!); einen getrockneten Skorpion, eine getrocknete Eidechse &/oder Käfer; einen kleinen Lederbeutel, der Friedhofsdreck, magnetisierte Eisenspäne, Asa foetida & Schwefel enthält & und mit einem roten Band zugeschnürt ist. Nähe den Zauberspruch in gelbe Seide & versiegle ihn mit rotem Wachs. All diese Dinge dann in eine Flasche mit breitem Hals stecken, verkorken & mit Wachs versiegeln. Die Flasche kann nun sorgfältig verpackt & an die Ziel-Institution verschickt werden… Eine Kopie der folgenden Erklärung wird beigepackt (weitere Kopien können an einzelne Angestellte verschickt werden &/oder heimlich an Wände in der Umgebung des entsprechenden Gebäudes geklebt werden):
Malaiischer Fluch des Schwarzen Dschinn
Dieses Gebäude wurde per schwarzer Magie verflucht & der Fluch nach korrekten Ritualen aktiviert. Auf dieser Institution lastet ein Fluch, weil sie die Imagination unterdrückt & den Intellekt geschändet hat, die Künste zur Abstumpfung, spirituellen Sklaverei und zur Propaganda für Staat & Kapital, puritanische Reaktion, ungerechte Profite, Lügen & ästhetischen Müll degradiert hat. Die Angestellten dieser Institution befinden sich nun in Gefahr. Es wurde kein Individuum verflucht, aber der Ort selbst ist von Pech & Unheil heimgesucht. Diejenigen, die nicht aufwachen & kündigen oder Sabotage am Arbeitsplatz betreiben, werden nach und nach diesem Fluch unterliegen. Den Auslöser dieses Fluches beseitigen oder entfernen wird nichts helfen. Er ist an diesem Ort gesehen worden & der Ort ist verflucht. Beharrt auf eurer Humanität & revoltiert im Namen der Imagination – oder seid (im Spiegel dieses Zauberspruches) als Feind der Menschheit gebrandmarkt.
Wir schlagen vor, im Namen irgendeiner offensiven kulturellen Institution wie etwa der American Poetry Society oder der Women’s Anti-Porn Crusade (mit vollständiger Anschrift) »die Verantwortung zu übernehmen«. […] Der Fluch des Schwarzen Dschinn ist nur ein erster Schritt in der Kampagne des Poetischen Terrorismus, der – davon sind wir überzeugt – zu anderen weniger subtilen Formen der Insurrektion führen wird.

Entnommen dem wunderbaren Buch von Hakim Bey „T.A.Z. Die Temporäre Autonome Zone“, 1994.

Bevor wir uns zum (vorerst?) letzten Mal am 11. Februar im Fachschaftskeller treffen, um über „Die Entschulung der Gesellschaft“ von Ivan Illich zu diskutieren, kann es gut sein, dass wir uns am 30. Januar in Frankfurt am Main auf der Demo „Uni gehört allen!“ sehen. Mal so, aus Spaß, obwohl Veränderungen, Formulierungen oder Erkämpfen von irgendwas auf einer Latschdemo mit Sicherheit nicht stattfinden.
Ĝis revido!


1 Antwort auf „Sind wir denn noch aufzuhalten?“


  1. 1 Besoffene Nach(t)betrachtungen. Diesmal: die Omphaloskepsis « BiKri Pingback am 02. Oktober 2013 um 14:16 Uhr
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